Deutsche Zerredungsroutine

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(Gazetemize yeni katılan kıymetli yazar dostum Serdar Güneş, bugünkü yazısında şu konuları ele almıştır: Almanya’da 20 yıldır yapılan entegrasyon tartışmalarının sonuca ulaşmaması, bu konuların sürekli konuşulması ama aradan geçen zaman içinde çözülmemesi, bu konular ele alınsa da Müslümanların ve yabancıların hala daha Almanya’ya ait değillermiş gibi algılanması ve bu konuda ön plana çıkanların da aslında konuya tam manasıyla vakıf olmadıkları….)

Es wird immer schwieriger öffentliche Debatten zu folgen. Es sind zu viele und sie wiederholen sich alle Jahre wieder. Als würde man sich in einer Zeitschleife befinden. Nur das es keinem auffällt. Nicht vor allzu langer Zeit gab es die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört oder Deutschland zum Islam. Diese Frage wurde nicht ernsthaft gestellt, weil die Antworten darauf schon feststanden. Für mich sagte es sehr viel darüber aus, ob die Leute nur zu viel Zeit haben oder sich nur von ihrem Problem ablenken möchten. Jedes Mal bin ich sehr erstaunt mit welcher Verve diese oder ähnliche Phrasen durchgekaut werden. Machen wir uns nichts vor, die Fragezeichen am Ende solcher Formulierung sind eigentlich ein Augenzwinkern. Geschuldet der Feigheit sie nicht als Behauptung zu formulieren.

Da stellt sich mir oft die Frage, ob es in diesem Land eigentlich keine wichtigeren Probleme gibt. Die Existenz von ein paar Millionen Menschen mit ihren Moscheen, ihren Geschäften, Träumen und sogar Problemen reichen noch nicht aus Teil dieses Landes zu sein? Eigentlich trivial, nicht wahr?

Hier wird ein tiefsitzender Knacks der Deutschen zelebriert, immer und immer wieder. Die Unfähigkeit dieser Gesellschaft mit Anderen umzugehen. In Zeiten des Corona-Virus, des Rassismus und vieler ökonomischer Krisen läuft wohl ein sozial-psychischer Mechanismus ab, dessen Leidtragende Teile der Gesellschaft sind.

Es ist ein bekannter Mechanismus: In der üblichen Zerredungsroutine wird jedes Mal die tabubrecherische Attitüde ordentlich zerkaut und ausgekotzt. Seit etwa 20 Jahren werden Integrationsdiskurse geführt und jedes Mal muss ich mir anhören, dass es keine Tabus geben dürfe.

Bei Tabus fällt mir der ehemalige Banker und Autor Sarrazin ein. In der Vergangenheit wurde bei der Sarrazin-Debatte die Kritik an ihm oft damit abgeschmettert, dass er Tabus brechen würde. Wer möchte kann meine Bewertung zu seinem letzten Buch hier nachlesen. Es gehörte zum Standardrepertoire jeder Talkshow. Aber es ist falsch, weil wir doch Tag und Nacht über den Islam, über Muslime, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit streiten. Jeder Journalist, der ein paar Bücher zur Integration und zum Islam gelesen hat, sieht sich als Experte und schmeißt sich dementsprechend in Pose. Wir dürfen daher jedes Mal die gleiche Behauptung hören: Wir dürfen nichts tabuisieren. Aber weder Integrationsdebatte noch Ehrenmorde waren neue Debatten.

Diese Gesellschaft besitzt ein kurzes Gedächtnis. Es wird ihm ständig vorgegaukelt, die Necla Keleks und Sarrazins würden Tabus brechen und ehrliche Debatten eröffnen. Dabei rennen die Tabubrecher ständig Türen ein, die längst schon offenstehen. Ich gebe zu, es ist sehr ermüdend, die Ernsthaftigkeit vieler Probleme in der Gesellschaft mit der dazugehörigen Phrasendrescherei in Einklang zu bringen. Ehrliche Auseinandersetzungen benötigen Differenzierungen und Einfühlungsvermögen, die der immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitspanne weichen.

Bei Muslimen sieht es nicht anders aus, denn die Muslime interessiert es genauso wenig. Sie müssen ihren Alltag meistern, leiden unter den gleichen Problemen wie der Rest von Deutschland. Gleichzeitig müssen sie sich mit den Konformisten und Idioten aus den eigenen Reihen herumschlagen, weil ehrliche Problemlösung immer mehr der Identitätspolitik aus den Herkunftsländern weichen muss. Über letztes gibt es noch viel zu sagen.

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Serdar Güneş

YORUM YAZ

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