Nervengift Nowitschok zündet Dauerfeuer

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Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist mutmaßlich vergiftet worden. Das Flugzeug in dem Nawalny sich an Bord befand, musste in Omsk zwischenlanden, als er bewusstlos auf der Boardtoilette aufgefunden wurde. Anschließend wurde er im sibirischen Omsk in die Intensivstation eines Krankenhauses eingeliefert und beatmet.

Nawalny liegt mittlerweile, auf Wunsch seiner Familie auf der Intensivstation der Berliner Charité und wird durchgängig künstlich beatmet. Sein Zustand bleibt ernst. Die jüngsten Labortests haben ergeben, dass Alexej Nawalny tatsächlich mit dem chemischen Nervenkampfstoff Nowitschok vergiftet worden ist.

Nowitschok, wurde zwischen den 70er und 80er Jahren von der Sowjetunion entwickelt. Die circa 100 Varianten des Wirkstoffs gehören zu den berüchtigtsten Kampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Es gelangt über die Haut oder Atemwege in den Körper und führt innerhalb von wenigen Stunden zum Erstickungstod. Nowitschok enthält eine Substanz die in vielen Stoffen eingesetzt wird, etwa Medikamenten oder eben Nervengiften.

Wir wollen uns hier einmal dem Giftanschlag von der wissenschaftlichen Seite annähern. Nowitschok enthält die Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer.

Cholinesterase (Acetylcholinesterase), ist als Enzym für die normale Funktion des Nervensystems von Menschen und Wirbeltieren notwendig. Es sorgt für den Abbau der Botenstoffe (Acetylcholin), die im menschlichen Körper den Reiz von Zelle zu Zelle weiterleiten. Dabei reagiert das Acetylcholinesterase (AChE)-Molekül mit dem Acetylcholin zu Cholin und Acetat.

Doch was geschieht bei einer erhöhten Menge von AChE-Hemmern in unserem Nervensystem? Genau das was Nawalny vermutlich widerfahren ist. Denn wird der Reaktand Acetylcholinesterase stark gehemmt, findet kein Abbau des Acetylcholins statt. Der Botenstoff wird nicht mehr abgebaut und ein Dauerfeuer an den Nerven löst ungebremst eine Überaktivität von Körperfunktionen aus. Heftige Muskelkrämpfe sind die Folge. Das Daueraktivieren der Nervenzellen führt schließlich zu Herz- und Atemlähmung. So muss sich Nawalny an Bord gefühlt haben. Wahrscheinlich begann es mit Magen- und Darmkrämpfen, daher auch der Gang zur Toilette und endete im Schwindel, Atemnot und Herzrasen.

Der Wirkstoff Parasympathomimetika, werden auch in der Behandlung von Krankheiten verwendet. Sie verstärken die Effekte eines Anteils des autonomen Nervensystems. Die Cholinesterase-Hemmer hemmen den Abbau des natürlichen Neurotransmitters Acetylcholin. Dadurch erhöht sich die lokale Konzentration des Acetylcholins. Besonders wenn die Aktivität in den Nerven gesteigert werden soll kann der Wirkstoff Abhilfe leisten. Er wird bei der Behandlung von Alzheimer-Demenz verwendet. Acetylcholin wird in den Nervenzellen gebildet. Bei der Krankheit Alzheimer-Demenz sterben immer mehr Nerven ab. Dadurch wird weniger Acetylcholin gebildet. Um den Abbau des Botenstoffs zu verlangsamen, werden diese Cholinesterase-Hemmer eingesetzt. Das sogenannte Dauerfeuer ist also in diesem Fall nicht überwältigend, sondern positiv anregend.

Grundsätzlich, kann auch Nawalny nach einer solchen Vergiftung wieder gesund werden sobald das Gift aus dem Körper verschwunden ist. Welchen langfristigen oder bleibenden Schaden die Vergiftung verursacht hatte, hängt vor allem von der Art des Wirkstoffs und der Dosis ab. Außerdem ist auch wichtig wie lange es im Körper wirken konnte. Somit können auch im Fall von Alexej Nawalny Langzeitfolgen nicht ausgeschlossen werden. Klar ist, dass es auch einige Fälle mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok gibt die tödlich geendet haben. Leider ist selbst Nawalny noch nicht über den Berg. Hinzu kommt, dass noch zu klären ist wer ihn vergiftet haben soll. Aktuell schieben sich die Parteien nur gegenseitig den schwarzen Peter zu. Ob es nun Russland, Deutschland oder ein verfeindeter Nachbar war, bleibt noch zu klären.

Viel Liebe,

Demet Aksoy-Murek

Für alle Nervenstarken unter uns.

YORUM YAZ

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