Zwischen den Fronten…(7) Uniklinikum Köln

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Nach der Behandlung Mems durch den Notarzt brachten sie ihn sofort in die Quarantäneabteilung. Sie legten ihn in ein Einzelzimmer. Sie öffneten links und rechts ein kleines Loch und reinigten die entzündeten Stellen mit antibiotischem Serum. All seine Bedürfnisse wurden befriedigt. Die Freunde bezahlten im Monat 5.000 DM für seine Privatbehandlung. Davon hatte Mem aber keine Ahnung. Er lag nur da und versuchte, mit großer Moral zu leben. Niemand durfte zu ihm. Auch sein Freund Seyit, der ihn herbegleitet hatte, mußte draußen bleiben. Mem hatte weder die Kraft, nachzufragen noch darüber nachzudenken, was aus Seyit geworden war. Doch die Parteifreunde würden sich schon um ihn kümmern. Ein Verantwortlicher sagte zu ihm: “Wenn du willst, kannst du hier bei uns bleiben. Wenn du willst, können wir dich auch zu einer unserer Zeitungen in der Heimat schicken. Mem hat dich ohne uns zu fragen als seine individuelle Entscheidung hierher mitgenommen. Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir das in der Heimat besprochen und ihm einen unserer Freunde mitgegeben.” Seyit antwortete: “Nein. Wenn ich bei eurer Presse arbeiten wollte, dann hätte ich das schon von dort aus getan. Ich möchte hier leben und in einem anderen Bereich arbeiten.”

Nach diesem Gespräch ging Seyit in eine andere deutsche Stadt. Mem versank in seinem Überlebenskampf. Als er wieder zu sich kam, konnte er sich nur durch einen Dolmetscher verständlich machen. Er fragte nach dem, was er wissen wollte. Die Freunde beauftragten dann eine Genossin names Esma, sich um ihn zu kümmern. Esma wurde Mems Dolmetscherin und kümmerte sich gleichzeitig um alles, was er brauchte. Esma sorgte auch dafür, daß Mems Besucher auf jeden Fall einen Umhang, Handschuhe und einen Mundschutz anziehen mußten.

Nur Mem mußte das nicht tun. Auch Esma trug am Anfang diesen Schutz, doch auf Mems Insitieren hin zog sie ihn im Zimmer wieder aus. Da Mem ein bekannter Mann war, riß der Strom der Besucher nicht ab. Doch die meisten der Besucher kannte oder erkannte er nicht.

Bringt mir Pizza

Mem lag in einem Privatzimmer. Auf dem kleinen Tischchen stand ein Blumenstrauß und ein Telefon. Seine Dauerbesucherin war Esma. Aber zu Essen gab es wieder nichts. Er wurde durch Serum ernährt. Als der Arzt ihm dann erlaubte, etwas zu essen, versuchte er als erstes eine der von den Besuchern gebrachten Früchte. Doch seit Monaten hatte er nichts Warmes mehr gegessen. Er wähte die Nummer seines Freundes Serhat bei der Zeitung: “Bringt mir sofort Pizza.” Seine Freunde freuten sich. Sie wollten ihn nicht kränken und besorgten gleich in der Nacht noch Pizza für ihn. Sie fuhren zu ihm und brachten ihm die Pizza. Während er aß, erzählten sie ihm etwas. Er aß die Hälfte auf. “Den Rest esse ich morgen”, erklärte er. In dieser Nacht schlief er. Aber die Pizza lag ihm schwer im Magen. Danach konnte er wieder monatelang nichts essen. In seiner elfjährigen Gefängniszeit hatte er sich ein Jahr lang am Todesfasten und an mehreren Hungerstreiks beteiligt, daher war er solche Situationen eigentlich gewohnt. Aber dieses Mal war er sehr ernsthaft krank. Deshalb hätte er eigentlich besser auf sich achten müssen.

YORUM YAZ

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